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Pressemitteilung des Deutschen Caritasverbandes 20. Oktober 1999
Stramme Ökonomisierung
entwürdigt die Menschen
Caritaspräsident
Puschmann: Anwaltschaft ist Qualitätsmerkmal
sozialer Dienstleistung
der Caritas
BERLIN/FREIBURG. Gegen ein Auseinanderdriften von Dienstleistungen im Sozialbereich und dem anwaltschaftlichen Eintreten für Benachteiligte in der Gesellschaft hat sich der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, in einer Grundsatzrede vor der 14. Vertreterversammlung des katholischen Wohlfahrtsverbandes gewandt, die seit Dienstag in Berlin tagt.
Die Caritas sei in vielen Feldern Erbringer sozialer Dienstleistungen, ob sie wolle oder nicht, betonte Puschmann. Sie müsse sich angesichts einer Entwicklung behaupten, deren Ziel das Modell eines freien Marktes sei, auf dem unterschiedlichste Anbieter miteinander konkurrieren. Das erfordere in vielem ein Umdenken. "Mit Kameralistik und der reinen Verwaltung zurückgehender öffentlicher Mittel kommen wir nicht weiter." Allerdings müsse die Caritas in dieser Entwicklung ihr spezifisches Profil wahren oder sogar neu herausarbeiten. Dienstleistung der Caritas habe eine diakonische Funktion. "Ethik und Menschenwürde", so der Caritas-Präsident, seien unabdingbare Bestandteile im sozialen Dienstleistungshandeln. "Stramme Durchökonomisierung" und "die konsequente Beschreibung von sozialen Not- und Konfliktlagen würden ohne Zweifel zu einer Entwürdigung des Menschen" führen.
Soziale Dienstleistung, so führte Puschmann aus, sei kein Widerspruch zu dem anderen Auftrag der Caritas, nämlich individuell und öffentlich-politisch Anwalt Benachteiligter und an den Rand der Gesellschaft gedrängter Menschen zu sein. Vielmehr müsse diese Anwaltschaft die besondere Qualität der Caritas als Anbieterin sozialer Dienstleistungen sein. Der Auftrag zur Anwaltschaft werde der Caritas häufig bestritten. Es entspreche jedoch ihrer langen Tradition und ihren biblischen Wurzeln, "in gleichsam prophetischer Neugier und Offenheit" zu benennen, "wo Menschen ausgegrenzt und benachteiligt werden". Dazu gehöre auch, "Werte und Wertvorstellungen positiv zu verdeutlichen", insbesondere sei es Aufgabe der Caritas, Solidarität mit den Betroffenen zu stärken. "Wir müssen kreativ werden, wenn es darum geht, Solidarität zu initiieren und neu zu lernen", betonte Puschmann.
Unerläßlich sei dabei auch die ökumenische Gemeinsamkeit der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände.
Puschmann wies in diesem
Zusammenhang auch auf die Bedeutung des ehrenamtlichen sozialen Engagements
hin. Er warnte jedoch davor, daß das Ehrenamt "zum Spielball ökonomischer
Interessen" und zum "Lückenbüßer eines
Pseudodienstleistungsverständnisses"
werden könne. Dies führe zur Ausbeutung von Menschen, die Kraft
und freie Zeit zur Verfügung stellten, um Lebensräume zu schaffen
und Solidarität zu fördern.
Die 14. Vertreterversammlung
des Deutschen Caritasverbandes findet vom 19. bis 21. Oktober in Berlin
statt und steht unter dem Thema "Caritas als sozialer Dienstleister und
Anwalt der Benachteiligten". Sie zählt rund 700 haupt- und ehrenamtliche
Vertreter der Mitgliedsorganisationen des katholischen Wohlfahrtsverbandes.
Unter anderem gehören Satzungsfragen und die Wahl des Zentralrats
zu den regelmäßigen Aufgaben dieses Gremiums.
(Quelle : Deutscher Caritasverband)